Unkonventionelles Erdgas in NRW – NEIN zum Fracing!Was ist Unkonventionelles Erdgas?Seit langem ist bekannt, dass es in Niedersachsen und NRW große
Erdgasvorkommen in tiefen Gesteinsschichten gibt, die dort
in kleinen Blasen im Gestein eingeschlossen sind. In NRW werden auf einer Gesamtfläche, die halb so groß ist wie NRW selbst, 2100 Milliarden Kubikmeter Erdgas vermutet. Bislang war die Förderung jedoch unwirtschaftlich. Da sich durch die Verknappung der Ressourcen der Preis für Erdgas und –öl jedoch stark erhöht hat und neue Techniken die Förderung auch eingeschlossenen Erdgases ermöglichen, sollen Probebohrungen durchgeführt werden. Dieses Verfahren nennt man Hydraulic Fracturing, kurz Fracing.
Dafür haben bereits jetzt
neun Großunternehmen, u.a. z.B. ExxonMobil und Wintershall, d
ie Gebiete unter sich aufgeteilt. Eines dieser Gebiete, dies hat sich Wintershall gesichert, betrifft z.B. die vier Kreise HSK, Soest, Oelde und Märkischer Kreis. In NRW wurden bereits
18 Lizenzen für Probebohrungen vergeben, ohne dass die Bevölkerung darüber informiert wurde.
Wie wird das Erdgas gefördert?Im Gegensatz zum konventionellem Erdöl und Erdgas, kann der Bereich mit Unkonventionellem Erdgas nicht einfach
vertikal angebohrt werden.
Es muss anschließend noch horizontal in der Gesteinsschicht weiter gebohrt werden, um einen möglichst großen Bereich abzudecken. Anschließend werden dann an verschiedenen Stellen Löcher in den Bohrkern gesprengt. Dann wird Wasser, vermischt mit Sand und bis zu 268 verschiedenen Chemikalien unter Hochdruck in das Gestein gepresst. Dabei wird das Gestein mit Rissen von bis zu 100m Länge aufgespalten und das vorhandene Erdgas kann an die Erdoberfläche geleitet werden.
Bei der z.Z. meist verbreiteten Bohrmethode werden mehrere Reihen an Bohrungen nebeneinander angelegt. Die horizontale Länge eines Bohrkerns kann 1-1,5 km lang sein. Der Anteil an Chemikalien im Wasser schwankt zwischen 0,2 und 2 Prozent. 15 – 80 % des Wassers wird mit der Gasförderung wieder aufgefangen. Ein Teil jedoch bleibt im Gestein zurück. Ein großes Problem ist, dass riesige Mengen an Wasser benötigt werden, die dann verunreinigt sind und entsorgt werden müssen.
Welche Chemikalien für das Fracing benutzt werden, musste bisher von den Unternehmen nicht angegeben werden. Auch die Bundesregierung hat zur Beurteilung der Probebohrungen nicht nach der Zusammensetzung dieses Giftcocktails gefragt. Doch diese Chemikalien stellen das größte Problem dar. Unter den 260 Chemikalien, die zum Fracing genutzt werden, sind 58 zum Teil hochgiftige Substanzen, die Krebs auslösen.
Im Vergleich zu konventioneller Gasförderung verursacht die Förderung von Unkonventionellem Erdgas 1,5 bis 2 mal so hohe Kosten.
Ist die Förderung von Unkonventionellem Gas notwendig für unsere Versorgung?Erdgas ist eine sinnvolle Ergänzung zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien, zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und dezentralen Blockheizkraftwerken. In Niedersachsen wird bereits konventionelles Erdgas gefördert, um unabhängiger von z.B. russischem Gas zu sein. Unkonventionelles Erdgas könnte als Ergänzung ein Baustein sein bis zum Ziel der vollständigen Stromversorgung durch erneuerbare Energien. Ob allerdings in Deutschland und Europa jemals wirtschaftlich Unkonventionelles Erdgas gefördert werden kann, bleibt zu untersuchen.
Wer verdient am Unkonventionellen Erdgas?Natürlich wollen die
Unternehmen an dem Erdgas viel verdienen. Aber es gibt auch noch
andere Gewinner: das
Land bekäme als Förderabgabe 16 % des Durchschnittspreises für Importgas, was einen Millionenbetrag ausmacht. Die Kommunen hingegen gingen leer aus. Es werden aber auch
wirtschaftliche Vorteile daraus erwachsen, d.h.
weitere Unternehmen werden sich im Umfeld der Bohrfelder ansiedeln, was wiederum bedeutet, dass
Arbeitsplätze geschaffen würden.
Welche Nachteile/Gefahren bringen die Bohrungen für die Anwohner in der Umgebung?Die Probebohrungen führen u.a. zu
erhöhtem Verkehr, was aber anschließend wieder abebbt. Der
Landverbrauch wie auch der
Wasserverbrauch, der dann zu
riesigen Mengen an verseuchtem Wasser führt, bleibt uns erhalten. Ein weiteres, vielleicht noch größeres Problem kann der Teil des giftigen Wassers darstellen, der im Boden verbleibt.
Die Unternehmen versichern, dass die Gifte nicht mit dem Grundwasser in Berührung kommen können. Die Befürchtung hier jedoch ist groß, dass das Gift über die Risse ins Trinkwasser gelangen könnte. Und
diese Befürchtung ist nicht unbegründet.
Monitor berichtet, dass im niedersächsischen Damme bereits Probebohrungen durchgeführt wurden, ohne dass die Bevölkerung oder auch der Stadtrat davon in Kenntnis gesetzt worden wären. Rechtlich ist das eine Entscheidung aus dem Bergrecht, nach dem die Bevölkerung oder die öffentlichen Stellen wie Wasserbehörden, Kreise oder Kommunen nicht informiert werden müssen. Damit ist das Bergrecht nicht mehr zeitgemäß und muss dringend überarbeitet werden.
In den USA wird das Fracing bereits seit 2005 angewandt, und es ist schon Grundwasser durch die giftigen Chemikalien und radioaktiven Stoffe verunreinigt worden. Exxon nennt diese Chemikalien nur nebulös „Additive“, doch darunter sind giftige Substanzen wie Arsen, Magnesium Chloride und Petroleumverbindungen.
Der
Weltspiegel berichtet über extrem hohe Methankonzentrationen, die zusammen mit dem Trinkwasser aus den Wasserhähnen entweichen, ein Abfallprodukt des Erdgases. Damit ist sehr wahrscheinlich, dass das Erdgas und damit auch das zurückgebliebene Wasser mit dem Trinkwasser in Berührung gekommen ist. Eine Untersuchung der amerikanischen Umweltbehörde EPA zum Fracing soll bis Ende 2012 abgeschlossen sein.
Zumindest bis zum Ergebnis dieser Untersuchung sollten deshalb keine Probebohrungen mehr genehmigt und durchgeführt werden!Cordula Ungruh
1.2.2011
Website Wibke Brems, Klima- und Energiepolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion:
http://wibke-brems.de/themen/unkonventionelles-erdgas/Website Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 /Die Grünen:
http://oliver-krischer.eu/aktuelles.htmlBericht Weltspiegel vom 12.12.2010:
http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/6056834?pageId=&moduleId=329478&categoryId=&goto=&show=Bericht Monitor vom 18.11.2010:
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/1118/wasser.php5